Reifenalter und Mindestprofiltiefe – Reifenratgeber

Der Gesetzgeber sagt zum Thema Reifenalter, dass ein ordnungsgemäß gelagerter Reifen auch noch nach drei Jahren als fabrikneu und selbst nach fünf Jahren noch als neu verkauft werden darf.

Als Nutzungsobergrenze ist ein Alter von zehn Jahren festgelegt. Ausnahmen bilden bei dieser Regelung Anhänger mit Tempo 100 Zulassung und Campingfahrzeuge. Bei diesen Fahrzeugen beträgt das maximal zulässige Reifenalter sechs Jahre. Gerechtfertigt wird diese Regelung damit, dass Anhänger und Campingfahrzeuge lange Standzeiten haben, was die Reifen schneller altern lässt.

Logisch ist dies jedoch keineswegs. Ein sogenannter neuer Satz Reifen, der bereits fünf Jahre alt ist hätte beispielsweise auf einem Wohnmobil nur noch eine Nutzungsdauer von maximal einem Jahr. Sechs Jahre ab Kaufdatum wäre logisch. Somit ist diese Regelung nur für besagte Anhänger und Campingfahrzeuge relevant, für alle anderen Fahrzeuge sollten reelle Fakten zählen.

Um einen optimalen Grip zu gewährleisten, ist es erforderlich, dass der Gummi nicht zu hart wird. Um dies zu ermöglichen, sind dem Reifengummi Weichmacher beigemischt, die sich im Laufe der Jahre verflüchtigen. Die Folge ist, dass der Reifen mit zunehmenden Alter härter wird.

Bei Winterreifen ist ein weicher Gummi eine der wichtigsten Voraussetzungen für seine Wintertauglichkeit. Er sollte deshalb nur maximal fünf Jahre als Winterreifen genutzt werden. Nach Ablauf dieser Zeit ist er im Sommer “aufzubrauchen”. Für den Sommerreifen sind die Weichmacher ebenfalls wichtig, er kann allerdings bis zu sieben Jahre lang seinen Dienst verrichten.

Das Alter der Reifen lässt sich an der äußeren Seitenwand des Reifen ablesen. Hier befindet sich die sogenannte DOT-Nummer in einem Oval. Die ersten zwei Zahlen geben dabei die Herstellungswoche; die letzten beiden Zahlen das Herstellungsjahr an. Ein Reifen mit der Nummer 2411 wurde in der 24. Woche des Jahres 2011 hergestellt. Reifen, die eine dreistellige DOT-Nummer haben, stammen aus der Zeit vor dem Jahr 2000 und sind definitiv zu alt.

Gerade bei Sommerreifen können sich die Weichmacher schneller verflüchtigen, wenn der Reifen großer Hitze und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird. Das Gleiche gilt auch für Armaturenbretter, die bei direkter Sonneneinstrahlung bis zu 80ºC heiß werden können. Um dem vorzubeugen, sollte das Fahrzeug nach Möglichkeit stets im Schatten geparkt werden. Steht kein Schattenplatz zur Verfügung, ist ein Sonnenschutz, zum Beispiel durch Pappkartons, zu empfehlen.

Voraussetzung für die oben genannte Nutzungsdauer ist selbstverständlich, dass der Reifen in dieser Zeit noch ausreichend Profil besitzt. Bei der Profiltiefe schreibt der deutsche Gesetzgeber mindestens 1,6 mm vor. Wann diese erreicht sind, lässt sich an den kleinen Querstegen, die in den Hauptrillen des Profils eingearbeitet sind, erkennen. Sobald diese Querstege mit der Lauffläche eine Ebene bilden, ist die gesetzliche Verschleißgrenze erreicht. Es kann allerdings aus Gründen der Sicherheit vom Ausreizen der Mindestprofiltiefe nur dringend abgeraten werden.

Ein Sommerreifen kann mit abnehmender Profiltiefe nicht mehr ausreichend Wasser verdrängen. Die Folge ist Aquaplaning. Bei der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6mm kann Aquaplaning bereits unter 80 Km/h eintreten. Es empfiehlt sich daher eine Mindestprofiltiefe von 2,5 mm, bei Breitreifen von 3,0 mm. Bei Winterreifen ist bereits bei weniger als 4,0 mm keine 100-prozentige Wintertauglichkeit mehr gegeben. Aus diesem Grund dürfen, beispielsweise in Österreich, einige Passstraßen nur mit Winterreifen befahren werden, die eine Profiltiefe von 4,0 mm und mehr besitzen.

Winterreifen unter 4,0 mm gelten in Österreich als Sommerreifen. In anderen europäischen Ländern gibt es ähnliche Vorschriften und die Mindestprofiltiefe bei Winterreifen liegt zwischen 1,6mm und 6,0mm. In Deutschland ist das Gesetz sehr auslegungsfähig. Hier ist eine zwar gesetzliche Mindestprofiltiefe von nur 1,6 mm vorgeschrieben, gleichzeitig heißt es aber, dass eine “geeignete Bereifung” entsprechend der Wetterverhältnisse zu verwenden ist.

Bei Zuwiderhandlung wird ein Bußgeld in Höhe von 20 bzw. 40 Euro fällig. Um ausreichend Wasser und vor allem Schneematsch verdrängen zu können und bei Schnee noch ausreichend Grip zu haben, sollten Winterreifen mit 4,0 mm Profiltiefe, oder gar darunter, im Sommer aufgebraucht werden. Die 4,0 mm Grenze lässt sich bei Winterreifen an einem weiteren
Verschleißanzeiger ablesen, der am Rand der Lauffläche mit einer Schneeflocke gekennzeichnet ist.

Auch hier gilt wieder: Ist der Steg mit der übrigen Lauffläche bündig, ist die 4,0 mm Grenze erreicht.

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